Idee und Inhalt meines Buches

"Jede entsprechend weit fortgeschrittene Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden"


Diese Idee hat mich nicht mehr losgelassen bis ich schließlich damit begonnen habe ein Buch darüber zu schreiben. Es geht um virtuelle Welten, die so perfekt simuliert sind, dass sie von der realen Welt nicht mehr zu unterscheiden sind. Da in der virtuellen Welt alles möglich ist, gibt es in meinem Buch sowohl Zukunftstechnologie, wie sie in Science Fiction Romanen zu finden ist, als auch typische Fantasy Elemente wie Magie, Fabelwesen und Fantasiewelten.

In meinem Blog werde ich nicht nur über den Fortschritt meines Buches berichten, sondern auch allgemein zu SciFi und Fantasy Themen.

Gerne lasse ich mich hierbei von euch inspirieren.

Wer mag, kann mich gerne direkt kontaktieren: roy.ofinnigan@t-online.de

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Donnerstag, 8. Dezember 2016

Wir fordern digitale Grundrechte


video

ID 39615653 © | Dreamstime.com

 Charta der digitalen Grundrechte der Europäischen Union




Eine Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern, denen die Gestaltung der digitalen Welt am Herzen liegt, hat in den vergangenen 14 Monaten einen Vorschlag für eine Digitalcharta erarbeitet, der hiermit dem Europäischen Parlament in Brüssel und der Öffentlichkeit zur weiteren Diskussion übergeben wird. Diskutieren Sie mit, unterzeichnen Sie mit!

PRÄAMBEL

IM BEWUSSTSEIN, DASS
die Anerkennung der angeborenen Würde und der gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Menschen die Grundlage von Freiheit,

Gerechtigkeit und Frieden in der Welt bildet, die zunehmende Digitalisierung zur Veränderung der Grundlagen unserer Existenz führt,
 
es im digitalen Zeitalter zu enormen Machtverschiebungen zwischen Einzelnen, Staat und Unternehmen kommt, im digitalen Zeitalter eine zivilgesellschaftliche Debatte entstanden ist und weitergeht,

Grundrechte und demokratische Grundprinzipien im digitalen Zeitalter auf neue Herausforderungen und Bedrohungen treffen,

technischer Fortschritt stets im Dienste der Menschheit zu stehen hat,

die Gestaltung der digitalen Welt auch eine europäische Aufgabe sein muss, damit es im europäischen Verbund gelingt, Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität im 21. Jahrhundert zu erhalten;

IN ANERKENNUNG
der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte,

der Europäischen Menschenrechtskonvention,

der Charta der Grundrechte der Europäischen Union,

der Grundrechts- und Datenschutzstandards der Europäischen Union und ihrer Mitgliedstaaten;

FEST ENTSCHLOSSEN
Grundrechte und demokratische Prinzipien auch in der digitalen Welt durch die Herrschaft des Rechts zu schützen,

staatliche Stellen und private Akteure auf eine Geltung der Grundrechte in der digitalen Welt zu verpflichten,

auf diese Weise das Fundament einer rechtsstaatlichen Ordnung im digitalen Zeitalter zu schaffen,
das Digitale nicht als Quelle der Angst, sondern als Chance für ein gutes Leben in einer globalen Zukunft zu erfassen;

ERKENNT DIE UNION DIE NACHSTEHEND AUFGEFÜHRTEN RECHTE, FREIHEITEN UND GRUNDSÄTZE AN:

Artikel 1

Würde

(1)  Die Würde des Menschen ist auch im digitalen Zeitalter unantastbar. Sie muss Ziel und Zweck aller technischen Entwicklung sein und begrenzt deren Einsatz.

(2)  Neue Gefährdungen der Menschenwürde ergeben sich im digitalen Zeitalter insbesondere durch Big Data, künstliche Intelligenz, Vorhersage und Steuerung menschlichen Verhaltens, Massenüberwachung, Einsatz von Algorithmen, Robotik und Mensch-Maschine- Verschmelzung sowie Machtkonzentration bei privaten Unternehmen.

(3)  Die Rechte aus dieser Charta gelten gegenüber staatlichen Stellen und Privaten.

Artikel 2

Freiheit

Jeder hat ein Recht auf freie Information und Kommunikation. Dieses Recht ist konstitutiv für die freie Gesellschaft. Es beinhaltet das Recht auf Nichtwissen.

Artikel 3

Gleichheit

(1) Jeder Mensch hat das Recht auf eine gleichberechtigte Teilhabe in der digitalen Sphäre. Es gilt das in der Europäischen Grundrechte-Charta formulierte Diskriminierungs-Verbot.

(2) Die Verwendung von automatisierten Verfahren darf nicht dazu führen, dass Menschen vom Zugang zu Gütern, Dienstleistungen oder von der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden. Dies gilt insbesondere im Bereich Gesundheit, Schutz vor elementaren Lebensrisiken, Recht auf Arbeit, Recht auf Wohnen, Recht auf Bewegungsfreiheit und bei Justiz und Polizei.

Artikel 4

Innere und äußere Sicherheit

(1)  Im digitalen Zeitalter werden innere und äußere Sicherheit auf neue Weise bedroht. Bei der Ausübung der Schutzverantwortung des Staates sind enge rechtsstaatliche Grenzen zu beachten.

(2)  Sicherheitsbehörden dürfen nicht auf durch Private erhobene Daten zugreifen. Ausnahmen sind nur auf gesetzlicher Grundlage zum Schutz besonders wichtiger Rechtsgüter zulässig.

(3)  Eine anlasslose Massenüberwachung findet nicht statt.

(4)  Waffensysteme dürfen nicht vollautomatisiert eingesetzt werden.

Artikel 5

Meinungsfreiheit und Öffentlichkeit

(1) Jeder hat das Recht, in der digitalen Welt seine Meinung frei zu äußern. Eine Zensur findet nicht statt.

(2) Digitale Hetze, Mobbing sowie Aktivitäten, die geeignet sind, den Ruf oder die Unversehrtheit einer Person ernsthaft zu gefährden, sind zu verhindern.

(3) Ein pluraler öffentlicher Diskursraum ist sicherzustellen.

(4) Staatliche Stellen und die Betreiber von Informations- und Kommunikationsdiensten sind verpflichtet, für die Einhaltung von Abs. 1, 2 und 3 zu sorgen.

Artikel 6

Profiling

Profiling durch staatliche Stellen oder Private ist nur auf gesetzlicher Grundlage zulässig.

Artikel 7

Algorithmen

(1) Jeder hat das Recht, nicht Objekt von automatisierten Entscheidungen von erheblicher Bedeutung für die Lebensführung zu sein. Sofern automatisierte Verfahren zu Beeinträchtigungen führen, besteht Anspruch auf Offenlegung, Überprüfung und Entscheidung durch einen Menschen. Die Kriterien automatisierter Entscheidungen sind offenzulegen.

(2) Insbesondere bei der Verarbeitung von Massen-Daten sind Anonymisierung und Transparenz sicherzustellen.

 Artikel 8

Künstliche Intelligenz

(1) Ethisch-normative Entscheidungen können nur von Menschen getroffen werden.

(2) Der Einsatz und die Entwicklung von künstlicher Intelligenz in grundrechtsrelevanten Bereichen muss gesellschaftlich begleitet und vom Gesetzgeber reguliert werden.

(3) Für die Handlungen selbstlernender Maschinen und die daraus resultierenden Folgen muss immer eine natürliche oder juristische Person verantwortlich sein.

(4) Bei Infrastrukturen, die für das Funktionieren der Gesellschaft essentiell sind, muss staatliche Kontrolle und Krisen-Vorsorge gewährleistet sein.

Artikel 9

Transparenz

(1) Die Informationen staatlicher Stellen müssen öffentlich zugänglich sein.

(2) Das Transparenzgebot gilt auch gegenüber Privaten, sofern diese über Informationen verfügen, die für die Freiheitsverwirklichung Betroffener von entscheidender Bedeutung sind.

 Artikel 10

Unversehrtheit der Wohnung

 Jeder hat das Recht, in seiner Wohnung frei und unbeobachtet zu leben.

Artikel 11

Datenschutz und Datensouveränität

(1) Jeder hat das Recht auf den Schutz seiner Daten und die Achtung seiner Privatsphäre.

(2) Jeder hat das Recht, über seine Daten selbst zu bestimmen. Personenbezogene Daten dürfen nur nach Treu und Glauben und für festgelegte Zwecke erhoben und verarbeitet werden, wenn dies für das jeweilige Nutzungsverhältnis erforderlich ist und eine vorherige Einwilligung erfolgt ist oder auf gesetzlicher Grundlage. Die Einwilligung muss ausdrücklich und informiert erfolgen. Nutzungsverhältnisse müssen fair und transparent gestaltet werden.

(3) Die Einhaltung dieser Rechte wird von einer unabhängigen Stelle überwacht.

(4) Anbieter von Diensten oder Produkten dürfen nur solche Daten erheben und verarbeiten, welche für den Zweck der Benutzung erforderlich sind. Die Grundsätze von privacy by design und privacy by default sind einzuhalten.

Artikel 12

Informationelle Selbstbestimmung

(1) Die Unversehrtheit, Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme ist sicherzustellen.

(2) Jeder hat ein Recht auf Verschlüsselung seiner Daten.

Artikel 13

Datensicherheit

(1) Jeder hat ein Recht auf Sicherheit von informationstechnischen Systemen und der durch sie verarbeiteten Daten. Dabei ist höchstmöglicher Schutz zu gewährleisten.

(2) Identitätsdiebstahl und Identitätsfälschung sind zu bekämpfen.

Artikel 14

Wahlen

Das Recht, an Wahlen und Abstimmungen teilzunehmen, darf nicht an den Zugang zu digitalen Medien gebunden werden.

Artikel 15

Freier Zugang

(1) Jeder Mensch hat das Recht auf freien, gleichen und anonymen Zugang zu Kommunikationsdiensten, ohne dafür auf grundlegende Rechte verzichten zu müssen. Das Internet ist Bestandteil der Grundversorgung.

(2) Jeder hat das Recht auf eine nicht-personalisierte Nutzung digitaler Angebote.

Artikel 16

Netzneutralität

Netzneutralität ist zu gewährleisten. Dies gilt auch für Dienste, die den Zugang zur digitalen Sphäre vermitteln.

Artikel 17

Pluralität und Wettbewerb

In der digitalen Welt sind Pluralität und kulturelle Vielfalt zu gewährleisten. Offene Standards sind zu fördern. Marktmissbräuchliches Verhalten ist wirksam zu verhindern.

Artikel 18

Recht auf Vergessenwerden

Jeder Mensch hat das Recht auf digitalen Neuanfang. Dieses Recht findet seine Grenzen in den berechtigten Informationsinteressen der Öffentlichkeit.

Artikel 19

Besonders schutzbedürftige Personen

Kinder, Heranwachsende, benachteiligte und besonders schutzbedürftige Personen genießen in der digitalen Welt speziellen Schutz. Ihre Teilhabe an der digitalen Welt ist zu fördern.

Artikel 20

Bildung

(1) Jeder hat ein Recht auf Bildung, die ein selbstbestimmtes Leben in der digitalen Welt ermöglicht.

(2) Digitalisierung ist eine elementare Bildungsherausforderung. Sie besitzt einen zentralen Stellenwert in den Lehrplänen öffentlicher Bildungseinrichtungen.

Artikel 21

Arbeit

(1) Arbeit bleibt eine wichtige Grundlage des Lebensunterhalts und der Selbstverwirklichung.

(2) Im digitalen Zeitalter ist effektiver Arbeitsschutz zu gewährleisten.

(3) Der digitale Strukturwandel ist nach sozialen Grundsätzen zu gestalten.

Artikel 22

Immaterialgüter

Rechteinhabern steht ein fairer Anteil an den Erträgen zu, die aus der digitalen Nutzung ihrer Immaterialgüter erwirtschaftet werden. Diese Rechte müssen in Ausgleich gebracht werden mit nicht-kommerziellen Nutzungsinteressen.

Artikel 23

Schlussbestimmungen

(1) Die Auslegung der in dieser Charta enthaltenen Rechte obliegt in letzter Instanz dem Europäischen Gerichtshof.

(2) Ausübung und Einschränkung der Rechte und Grundsätze dieser Charta erfolgen entsprechend Art. 52 EGC.

(3) Rechte und Pflichten aus dieser Charta gelten für alle Unternehmen, die auf dem Gebiet der EU tätig sind. Die Festlegung eines Gerichtsstands außerhalb der EU ist unzulässig.

Quelle: https://digitalcharta.eu/


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Samstag, 24. September 2016

gone Windsurfing

© Roy O'Finnigan


Für alle, die sich schon immer fragten, was der Roy O'Finnigan im Urlaub macht.

Nun, wie die Meisten Menschen geht er seiner Lieblingsbeschäftigung nach. In meinem Fall ist das Windsurfen. 



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© Roy O'Finnigan


Der Ausgleich zu meiner (überwiegend) Schreibtischtätigkeit tut richtig gut. Hier wird mein Geist mit viel Wind und Wasabi ordentlich durchgelüftet. Nach 2 bis 3 Stunden Action auf dem Wasser brauch' ich außer einer Liege und einem guten Buch nichts mehr für den Rest des Tages! Ich will ja schließlich wieder fit sein zum Abendessen :-)




© Roy O'Finnigan
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© Roy O'Finnigan

Wie ihr seht bin ich momentan gut beschäftigt. Also wundert euch bitten nicht, wenn ich derzeit etwas weniger auf den Sozialen Medien aktiv bin.

Trotzdem gibt es einen Update zu meinem Buch:

Evolution 4.0

Endlich habe ich einen passenden Titel für mein Buch gefunden. Er ist inspiriert von der industriellen Digitalisierung. Bei uns heißt das "Industrie 4.0". Manche nennen das auch "Internt of Things" (IoT).

Das Thema in meiner Geschichte ist ja die Verschmelzung der realen mit der virtuellen Welt. Um das zu erreichen setzen meine Portagonisten alles ein, was die Bio- und Computertechnologie hergibt. 
Ohne es zu beabsichtigen spielen sie mit dem Feuer. Eine Weile geht es gut aber plötzlich steht die Zukunft der gesamten Menschheit auf dem Spiel. Werden sie sich gegen die Computer, Algorithmen und Maschinen behaupten können oder werden sie von ihnen dominiert werden? Vielleicht sogar abgeschafft? 

Oder gibt es eventuell eine Chance für eine friedliche Koexistenz? Wenn ja, wie könnte die aussehen?

Evolution jedenfalls läuft immer in drei Schritten ab. Wie passend, dass ich sowieso vorhatte eine Trilogie zu schreiben. Der Erste Band wird also den Untertitel "Mutation" haben.

Mehr darüber nach meinem Urlaub

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Sonntag, 21. August 2016

Vom Ursprung der Mythen



© Coreyford | Dreamstime.com - <a href=«https://www.dreamstime.com/royalty-free-stock-image-phoenix-bird-image37352456#res73479«>Phoenix Bird Photo</a>

Es ist Sommer. Trotz der Wetterkapriolen auch dieses Jahr eine Zeit bei der man an lauen Abenden draußen sitzen kann. Vielleicht sogar an einem Lagerfeuer unter Sternenhimmel. Wenn alle gegessen haben und mit tiefen Blicken ins Feuer sich aufgewärmt haben setzt sich (fast) immer ein uraltes Ritual in Gang.

Wie aus dem Nichts taucht plötzlich ein Musikinstrument auf. Meist ist es eine Gitarre. Dazu ein Spieler oder eine Spielerin. Die Menschen fangen an zu singen und sich Geschichten zu erzählen. Der Ablauf ist in dieser Situation so unvermeidlich, dass es sich seit Urzeiten irgendwie in unseren Genen eingebrannt haben muss.



In solchen Situationen versuche ich mir vorzustellen, wie das damals war, als die Menschen das Feuer erfanden, sich abends davorsetzten, die ersten Lieder sangen und anfingen sich etwas zu erzählen. Schon oft habe ich mich gefragt, was waren die ersten Stories und worum ging es dabei?
Hat man sich Geschichten über Götter, Zauberer und Geister erzählt? Wenn ja, wer waren ihre Götter? Wie hießen die Geister und Zauberer? Welche Heldentaten hatten sie vollbracht?

Bestimmt waren auch dramatische Liebesgeschichten dabei. Mit Lüge, Intrige, Verrat, Treue, Herzschmerz und ... und am Ende wurde alles gut. Bestimmt damals schon. Und wenn es nicht gut wurde, war es noch nicht das Ende.

Oder ging es eher um Banales, was man tagsüber erlebt hatte? Vermutlich ging es auch damals schon um Klatsch und Tratsch und die ewige Frage, ob diesen Winter Mammutfell in sein wird oder mal wieder Säbelzahntigerpelz.

Na gut, Spaß beiseite. Jedenfalls müssen damals die ersten Mythen entstanden sein. Vieles mag unwiederbringlich verloren gegangen sein. Aber einige der Geschichten – dessen bin ich mir sicher - sind in das Urrepertoire der Menschheit eingegangen. Wenn dem so ist, stellt sich unweigerlich die Frage, wo finden sie sich wieder? In unseren Märchen, Sagen und Legenden? Vermutlich. Aber, was war das ursprüngliche Original und was wurde mit der Zeit verändert, hinzugefügt oder weggelassen?
Bis vor nicht allzu langer Zeit dachte ich, dass man das nie herausfinden könnte. Doch nun hat sich herausgestellt, dass es doch einen Weg gibt.

Natürlich gibt es keine Zeitzeugen mehr, die man befragen könnte. Es gibt weder Videos noch Tonaufnahmen, denn damals gab es noch keine Smartphones, keine Computer und keine NSA, die alles aufzeichnet.

Um die jüngeren meiner Leser zu beruhigen: Es gab damals schon eine Art soziale Medien. Wichtige Posts wurden an Höhlenwände gemalt oder in Steine gemeißelt. Man kann sie sogar heute noch bestaunen. Die Menschheit hatte also auch in der Steinzeit bereits ein Internet, das nichts vergaß.




Okay ich schweife ab. Zurück zum Thema. Wenn es also keine Zeitzeugen und keine Aufzeichnungen gibt, haben unsere Vorfahren vielleicht andere Spuren hinterlassen, die uns vielleicht helfen ihre Mythen zu rekonstruieren?

Ich denke ihr wisst was ich meine. Schauen wir uns mal die Bilder, die sie uns hinterliessen genauer an. Besonders eindrucksvolle und gut erhaltene gibt es in der Höhle von Lascaux in Frankreich. Sie wurden von Steinzeitmenschen vor ca. 38000 bis 21000 Jahren gemalt. Überwiegend zeigen sie Tierbilder und Jagdszenen.




Eines der Bilder jedoch will nicht so recht in das gängige Schema passen. Es gibt den Forschern seit jeher Rätsel auf.

Von I, Peter80, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2416632
Aus Copyright gründen kann ich Euch hier nicht das ganze Bild zeigen. Hier ist ein Link dazu


Ich zitiere mal die Beschreibung zu diesem Bild aus Wikipedia :


Rätselhafte Darstellung am Brunnen

Am Abstieg zum Brunnen wurde die wohl rätselhafteste aller Darstellungen ausgeführt: ein Mann mit Vogelkopf. Er scheint nach hinten umzufallen, sein Penis ist erigiert. Er scheint offensichtlich von einem von rechts heranpreschenden Wisent umgeworfen worden zu sein, in dessen Unterleib ein Speer steckt und dessen Eingeweide bereits hervortreten. Neben dem Mann liegt ein länglicher Gegenstand, an seinem Ende ein Vogel – möglicherweise handelt es sich hier um eine Speerschleuder. Links entfernt sich ein (Woll-) Nashorn.

Es fallen ferner folgende Symbolzeichen in dieser Komposition auf: Zwischen Mann und Nashorn sind drei doppelpunktartige Zeichen angebracht, welche auch im Seitengang der Raubkatzen, dem entlegensten Teil der Höhle, zu sehen sind.

Unterhalb des Mannes und des Wisents lässt sich ein gestricheltes Symbol mit einseitiger Spitze und zwei Widerhaken am Ende erkennen. Dieses Symbol wurde auch an anderen Wänden angebracht; es befindet sich außerdem auf gefundenen Speeren und auf der in der Nähe des Brunnens entdeckten Öllampe.

Die Einzelelemente der Komposition des Bildes stehen eindeutig in Bezug zueinander – ganz im Gegensatz zur üblich gewählten Darstellungsweise.

Möglicherweise erzählt das Bild eine Geschichte. Doch welche?

Handelt es sich hier vielleicht um die „Kosmischen Jagd“

Vielleicht sogar um die Urform? Wurde sie in dieser Höhle zum ersten Mal erzählt? Mal sehen. Lasst mich erst einmal eine etwas aktellere Version dieser Geschichte erzählen. Vermutlich kennt sie der Eine oder Andere bereits.

Wie wir alle wissen war Zeus ein alter Schwerenöter, der hinter den Frauen herbaggerte wie der Teufel hinter den Fliegen. Eines Tages warf er sein Auge auf die Nymphe Kallisto. Diese gehörte aber zum Gefolge der Jagdgöttin Artemis und war daher zur Keuschheit verpflichtet.
Deshalb bediente sich Zeus einer List und machte sich in Gestalt ihrer Chefin an sie heran. Als Kallisto den Betrug bemerkte, war es schon zu spät. Sie wurde schwanger und als Folge davon von Artemis verstoßen.

Als ob das nicht schon genug Unrecht wäre, verwandelte sie Zeus eifersüchtige Gattin Hera nach der Geburt ihres Kindes in eine Bärin. Wie das Schicksal es wollte, begegnete sie eines Tages ihrem Sohn Arcas. Als Jäger wollte er die Bärin natürlich töten.
Da allerdings griff Zeus ein und versetzte beide als Sternbilder ans Firmament. Wir kennen sie als den Großen und Kleinen Bär.

Die Blackfoot Indianer erzählen sich eine ähnliche Geschichte:

Ein Mädchen nimmt einen Bären zum Ehemann. Ihre jüngere Schwester erzählt das dem Vater. Der tötet den Bären. Die ältere Schwester will sich rächen und verwandelt sich dazu in einen Bären. Zuerst tötet sie ihre Eltern.
Die jüngere Schwester und sieben Brüdern gelingt die Flucht. Die Bärin verfolgt ihre Geschwister. Schließlich tötet sie sechs ihrer Brüder. Der siebte Bruder hat magische Kräfte und schießt mit Pfeilen seine Brüder, jüngere Schwester und sich selbst in den Himmel. Dort sind sie noch heute als das Sternbild „Großer Wagen“ zu sehen.
Hier das Sternbild:


By Gh5046 at English Wikipedia - Transferred from en.wikipedia to Commons by gh5046., Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3783128


Hier findet ihr noch andere Versionen der „Kosmischen Jagd“. Unter anderem die der Chinesen, Mongolen und Algonquin.

Natürlich werden solche Geschichten nicht so trocken am Lagerfeuer erzählt. Ich habe hier lediglich Zusammenfassungen geschrieben.
In meiner Fantasie stelle ich mir vor, dass man die Geschichten damals wie heute entsprechend ausgeschmückt hat. Früher gab es sicher viele Geschichtenerzähler. Bestimmt waren sie damals hoch angesehen. Sie beherrschten die Kunst zusammen mit den flackernden Schatten an Höhlenwänden, auf dem Wüstensand oder an umliegenden Bäumen und Büschen die Protagonisten lebendig werden zu lassen. Als Mittel standen ihnen dazu ihre Stimme, Gestik und Rhetorik zur Verfügung. Natürlich auch die ganze Palette psychologischer Tricks zur Verfügung.

So weit so gut. Zurück zur alles entscheidenden Frage. Wie kann man aus solchen Mythen, die offenbar überall auf der Welt erzählt werden, deren Evolutionsgeschichte rekonstruieren und vielleicht sogar zu ihrem Ursprung zurückzuverfolgen?

Glücklicherweise gibt es bereits Methoden und Werkzeuge dafür. Sie wurden für die Evolutionsbiologie entwickelt, die ein ähnliches Problem zu lösen hatte. Auch dort mussten bekannte Genome in einen Stammbaum einsortiert und zeitlich geordnet werden. Mittlerweile haben sich die sogenannten „phylogenetischen Algorithmen“ etliche Jahre bewährt, wurden weiterentwickelt und sind verfeinert worden.

Diese Algorithmen sind durch Deduktion in der Lage zu berechnen, was die Urversion eines Gens war, und wie der sich mit der Zeit veränderte.

Natürlich bestehen Mythen nicht aus Genen. Um die zeitlichen und geografischen Verwandtschaftsverhältnisse der Sagen nachzuvollziehen, werden diese in Abfolgen der kürzest möglichen Sätze zerlegt. Diese Textschnipsel werden in diesem Zusammenhang - in Anlehnung an die Biologie - »Mytheme« genannt (Achtung: Dies entspricht nicht der gängigen Definition, in der Mytheme bereits Kernelemente von Mythen darstellen!)

Die Mytheme in diesem Zusammenhang sind Sätze wie zum Beispiel „Es gibt einen Helden“, oder „Der Held ist eine Frau / Mann / Jäger“, oder „Es gibt ein Tier“, oder „Es gibt einen Verfolger“, usw.
Wer wissen möchte wie das genau funktioniert, kann das hier nachlesen.

Hier der berechnete Mythenstammbaum für die »Kosmische Jagd«:

© Julien d’Huy, „A Cosmic Hunt in the Berber sky“
Quelle: Julien d'Huy

Okay, ich denke ich habe euch nun lange genug auf die Folter gespannt. 

Hier ist die Urform der „Kosmischen Jagd“:


„Ein Mensch jagt ein großes, Gras fressendes Huftier mit Hörnern. Vermutlich ein Elch. Ein Mensch verfolgt das Huftier. Diese Jagd findet im Himmel statt, oder sie führt die Beteiligten dorthin. Das Tier überlebt und verwandelt sich in das Sternbild des Großen Bären.“

Zu trocken? Stimmt. Das fanden unsere Steinzeitvorfahren auch. Wie man aus dem oben erwähnten Mythenstammbaum erkennt, kommt die Version, die sich die Evenken erzählen der Urform am nächsten. Die Evenken (früher nannte man sie Tungusen) leben hauptsächlich in Sibirien. Mit freundlicher Unterstützung von Julien d'Huy konnte ich diese Version auftreiben. Hier die Zusammenfassung:

Es geschah vor langer, langer Zeit, bevor die Erde sich vergrößerte, als sie noch sehr klein war. Damals gab es noch keine Nacht, denn die Sonne schien ununterbrochen den ganzen Tag. Eines Tages im Herbst zur Brunftzeit schnappte sich der männliche Elch die Sonne und rannte damit zu den Himmeln. Seine Begleiterin, der weibliche Elch verfolgte ihn. 

Nacht fiel auf die Erde. Damals lebte unter den Evenki ein starker Mann und berühmter Jäger namens Mani. Er war der einzige unter den Evenken, der nicht verwirrt wurde. Er nahm seinen Bogen, rief seine Jagdhunde und verfolgte die Elche. [...]
Um ihm zu entkommen bog die Elchin scharf nach Norden ab und floh Richtung des Lochs in den Himmeln. Mani war kurz hinter ihnen und erschoss den Elch. Aber der hatte die Sonne nicht bei sich.

Mani vermutete, dass er sie der Elchin gab. [...] Also schoss er mit seinem Heldenbogen auch auf sie. [...] als er die Sonne wieder hatte gab er sie seinem Volk zurück. Alle Teilnehmer der kosmischen Jagd wurden in Sterne verwandelt.

Seit dem wechseln sich Tag und Nacht ab und die kosmische Jagd wiederholt sich.

In der ältesten Version dieses Mythos befreit der kosmischen Bär Mangi die Sonne, die von dem Elch gestohlen wurde. Unter den Evenki ist der kosmische Bär Mangi identisch mit der Sternkonstellation Bootes und der kosmische Elch mit dem Großen Wagen.

Die Milchstraße ist die Skispur des kosmischen Jägers

(Quelle: Konakov, N.D. & Lydia Black 1994.  «Calendar Symbolism of Uralic Peoples of the Pre-Christian Era.» Actic Anthropology, 31(1): 47-61, p.51)

Vielleicht fühlt sich ja der Eine oder die Andere mit dieser Themenvorgabe zu einer Kurzgeschichte inspiriert?

Ja?

Schickt sie mir und ich werde sie hier auf meinem Blog veröffentlichen.
Versprochen!   :-)

Der Stammbaum dieser Geschichte – und anderer – deckt sich übrigens mit der Ausbreitung des Homo Sapiens:

  • Er unterstützt die Hypothese, dass Europa und Teile Nordafrikas nach der Eiszeit aus dem franko-kantabrischen Refugium (Nördliche iberische Halbinsel, südliches Frankreich) neu besiedelt wurde
  • Bestätigt eine gemeinsame mythologische Wurzel von Berbern und europäischen Jägern und Sammlern
  • Bestätigt mindestens vier Einwanderungswellen von Eurasien nach Nordamerika.
  • Unterstützt die Hypothese, dass es von Eurasien eine Rückeinwanderung nach Afrika gab
Weitere Links:


foxload.com

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Sonntag, 26. Juni 2016

"Deep Learning" - Wenn Computer halluzinieren

© Michael Tyka



Vor kurzem geisterte eine Meldung durch das Internet: „Google würde seine eigenen Algorithmen nicht mehr verstehen“.

Kaum zu glauben, oder? Wo doch Google als Meister der Algorithmen bekannt ist. Bei denen basiert alles seit jeher auf Rechenvorschriften und Formeln. Und jetzt sollen sie diese plötzlich nicht mehr verstehen? Was ist da passiert?

Ich weiß was da passiert ist. Die Computer haben die Kontrolle übernommen. Und die kochen jetzt ihre eigene Suppe. Das glaubt mir jetzt garantiert wieder keiner. Bitte beruhigt euch wieder. Und nein, ich trage keinen Aluhut.

Google ist auf „Deep Learning“ umgestiegen.

„Deep Learning“ steht für selbstlernende Programme. Sie basieren auf neuronalen Netzen. Die gibt es schon lange aber erst jetzt gibt es Hardware, die leistungsfähig genug dafür ist.

Und es gibt im Internet bzw. den sozialen Medien Millionen von frei verfügbaren Datensätzen und Bildern anhand derer die Programme selbständig lernen können. Wie das geht? Eigentlich ganz einfach. Aber – wie immer – steckt der Teufel im Detail.

Übrigens auf diese Weise hat auch das Programm, das kürzlich den besten Go Spieler der Welt besiegte, das Spiel gelernt. In dem es systematisch Bilder von Go Spielstellungen analysiert hat, brachte es sich selbst die Regeln bei und lernte Spielstrategie und Taktik.


Kein Mensch kann sagen, wie genau das Programm funktioniert und warum es wann was macht. Das Ergebnis ist beeindruckend. Das Programm hat 5:0 gegen den Südkoreaner Lee Sedol gewonnen. Er brauchte lange, um diese Niederlage zu verarbeiten.

Man könnte jetzt natürlich sagen das ist doch nicht so wichtig. Was spielt das für eine Rolle? Wer weiß heute schon genau wie ein Computer funktioniert? Oder ein Navi, Smartphone oder Toaster? Wir benutzen die Geräte und wenn sie tun was sie tun sollen interessiert sich keiner dafür wie es funktioniert.

Stimmt. Doch was, wenn Sie plötzlich keinen Kredit bekommen, weil der „Deep Learning“ Algorithmus zu dem Ergebnis kam Sie sind nicht kreditwürdig? Oder keine Krankenversicherung oder plötzlich auf der Schwarzen Liste der Terrorverdächtigen landen von der kein Mensch jemals wieder herunterkommt, weil es sie offiziell gar nicht gibt?

Wie bitte, Sie meinen Sie könnten die Bank gerichtlich zwingen Auskunft zu erteilen, warum Sie keinen Kredit bekommen? Das zu glauben wäre ganz schön naiv. Selbst wenn Sie einen Gerichtsbeschluss haben und die Kreditbewertungsfirma Ihnen helfen möchte, sie kann es nicht. Denn es ist bei einem neuronalen Netz, das mehrere hundert Schichten tief ist, so gut wie unmöglich zu sagen wie es zu einem Ergebnis kommt. Oder der Aufwand ist so groß, dass es höchsten in Einzelfällen gelingt.

Nun gut. Ich möchte diese Problematik hier nicht weiter vertiefen. Das tue ich an anderer Stelle schon zu genüge. Wer sich dafür interessiert kann ja meine Posts zum Digitalen Manifest lesen.
Hier möchte ich mich auf die Beschreibung von „Deep Learning“ konzentrieren.


Und immer wieder Katzen

Nehmen wir mal an Sie möchten einem Programm beibringen Katzen in jeder Lage und Rasse zu erkennen. Alles, was Sie tun müssen ist dem Programm zu sagen schau dir mal alle Bilder auf Facebook an. Du kannst davon ausgehen, dass auf allen Bildern wo „Katze“ draufsteht auch eine drin ist.

Das ist alles? Naja, ein bisschen mehr braucht es schon.

Zuerst einmal müssen wir die Eingabe vorverarbeiten. Bei einem Bild würde man jeden Bildpunkt einem Knoten zuordnen. Bei Schwarzweiß Bildern würde die Aktivität des Knotens dem Grauwert entsprechen.

Bei farbigen Bildern bekommt jede Farbe einen eigenen Knoten zugewiesen. Man braucht also schon für die Eingabe 3-mal mehr Knoten als das Bild Pixel hat. Mit etwas Fantasie könne man die Eingabeschicht mit der Netzhaut vergleichen.

Dahinter folgen weitere Schichten bis wir am Schluss bei der Ausgabeschicht ankommen. Jeder Knoten, der dort aktiviert wird, hat eine Bedeutung. Wenn unser neuronales Netz ausgelernt hat, wird eines davon „Katze“ bedeuten.

Wie also funktioniert das Lernen?

Jeder Knoten in einer Schicht ist mit mehreren Knoten in der Ebene darüber und darunter verbunden. Abhängig von den Eingangssignalen gibt es gewichtete Signale an die darunter liegenden Knoten weiter. Das ist im Prinzip das Gleiche wie im menschlichen Gehirn.

Signale werden immer von der Eingabeebene in Richtung Ausgabeebene weitergeleitet.
Am Anfang kann man davon ausgehen, dass das Netzwerk nur Fehler macht. Beim Lernen werden die Gewichtungen, also die Bewertung der Eingangssignale und davon Abhängig die Ausgangswerte, verändert. Das Verfahren wird „Backpropagation“ genannt. Also „Rückwärtsverbreitung“. Wie der Name schon sagt werden die Gewichtungen von der Ausgabeschicht zu den internen Knoten bis hin zurück zur Eingabeschicht verändert. Man geht dabei so vor, dass die Fehlerkorrektur in der Ausgabeschicht den maximalen Korrektureffekt zeigt.

In dem man die Gewichte verändert passt sich das Netzwerk mit der Zeit an ein spezielles Eingabemuster und damit an ein Merkmal des „gesehenen“ Objekts an. So lernt es dieses Objekt zu repräsentieren.

Interessant ist, dass beim Lernen jede Schicht sich automatisch auf eine Bilderkennungsaufgabe spezialisiert. Wie beim menschlichen Auge erkennen die Knoten (beim Menschen nennen wir sie Neuronen) direkt hinter der Eingabeschicht Ecken und Kanten, in tieferen Schichten bereits Teile einer Katze oder eines Gesichts und in der Ausgabeschicht komplette Katzen, Tiere, Gesichter, usw.
Die Komplexität nimmt also Schicht für Schicht zu.
© American Scientist

In der Praxis sehen die Artefakte für Gesichtserkennung eher so aus:

© Reolof Pieters

Und so für andere Objekte:

© Reolof Pieters



Das funktioniert oft aber nicht immer. Hier ist ein Beispiel von einem Neuronalen Netzwerk, das darauf trainiert wurde Hanteln zu erkennen:

© Google

Da sind Hanteln aber interessanterweise auch ein Arm, der die Gewichte durch die Lüfte wuchtet. Offenbar zeigen die meisten Hantelbilder auch den dazugehörigen Arm.

Um mehr über die Funktion der Netzwerke zu erfahren haben die Entwickler einzelne Schichten auf Eingangsbilder angewandt. Wie bereits erwähnt ist jede Schicht für eine andere Abstrahierungsebene des Bildes zuständig. Die Anwendung der Gewichte einer Schicht auf ein Bild führt zu überraschenden Ergebnissen:

© Michael Tyka

„Deep Dreaming“ oder „Deep Halluzination“


Je näher die Schicht der Ausgabeschicht liegt, desto komplexer werden die Artefakte. Wenn zum Beispiel eine Wolke einem Vogel ähnelt, wird das neuronale Netzwerk der Wolke einen Vogel zuordnen. Um zu solchen Bildern wie das Folgende zu gelangen muss man etwas nachhelfen und die Strukturen über Rückkopplungsschleifen verstärken. Aber die „Grundidee“ der Wolke einen Vogel zuzuordnen und wie der Vogel aussieht, stammt immer von dem neuronalen Netzwerk.

© Michael Tyka


Auf dem rechten Bild sind die Artefakte – oder sollte ich sie besser Computerhalluzinationen nennen?- nicht so gut zu erkennen. Deshalb hier ein paar Ausschnitte:


© Michael Tyka

Offenbar wurde diese Neuronale Netzwerk darauf Trainiert Tiere zu erkennen.


Die oben gezeigten Bilder benutzen ein reales Bild als Ausgangspunkt. Um noch mehr über den „Deep Learning“ Algorithmus bzw. den einzelnen Schichten zu erfahren hat man Zufallsrauschen als Ausgangspunkt genommen. Die Ergebnisse werden noch Halluzinogener. Da drängt sich bei mir schon der Verdacht auf, ob nicht irgendwo „Digital LSD“ im Spiel war:

© Michael Tyka

© Michael Tyka


Na, schon süchtig nach solchen Bildern geworden?
Hier gibt’s mehr:

Ich finde diese Bilder faszinierend. Es wird ja immer behauptet, dass künstliche Intelligenz nie an die Leistungen eines Menschen herankommen wird. Mag sein, wir werden sehen. Halluzinieren wie Menschen können Computer jedenfalls schon recht gut.

In diesem Zusammenhang würde mich interessieren welche Halluzinationen ein neuronales Netzwerk produziert, das sich auf Kreditvergabe spezialisiert hat. Vielleicht lässt sich bei der Schufa ja jemand dazu hinreißen?

Zum Schluss noch eine Frage: Wie gut funktioniert das?

Man darf die neuronalen Netzwerke nicht überschätzen. Keinesfalls erreichen sie 100% Treffergenauigkeit. Oft liegen sie in der Größenordnung von 60% bis 70%. Erstaunlich gut sind die Ergebnisse bei der Gesichtserkennung. Facebooks „Deepface“ erreicht 97,35% Trefferrate. Ein Mensch 97,53%.

Allerdings muss der schon ziemlich gut im Gesichtererkennen sein. Jemand wie ich, der an Prosopagnosie leidet, kommt da bei Weitem nicht hin.


Interessanter weise sind Graphikkarten aufgrund ihrer massiv-parallelen Rechnerarchitektur wesentlich besser geeignet für „Deep Learning“ als die CPU. Hier ein paar Links zu Nvidia:

https://devblogs.nvidia.com/parallelforall/understanding-aesthetics-deep-learning/
https://devblogs.nvidia.com/parallelforall/deep-learning-nutshell-sequence-learning/
https://devblogs.nvidia.com/parallelforall/deep-learning-nutshell-core-concepts/
https://devblogs.nvidia.com/parallelforall/deep-learning-nutshell-history-training/



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